Jürgen Forster: Ausstellung ZWISCHENRÄUME | Druckgrafik und Zeichnungen

 

Ausstellung in der Galerie ArtspaceK2  21. Mai bis 13. Juli 2016

 

 

 

Rhein-Zeitung, Koblenz – 30. Mai 2016

 

Kunst gibt sich reduziert und ästhetisch

Neue Ausstellung in der Galerie Artspace K2 in Remagen

 

Fünfecke purzeln. Linien legen sich in die Kurve. Geometrische Formen, seriell auf das Blatt gebracht, erzeugen eine Art Rhythmus. „Zwischenräume“ nennt sich eine neue Ausstellung in der Remagener Galerie Artspace K2, in der Druckgrafik und Zeichnungen des Bonner Künstlers Jürgen Forster zu sehen sind.

 

Reduziert und ästhetisch kommen die Arbeiten daher. Linien, Flächen und deren Überlagerung bilden bei Forsters Druckgrafik „ein Konglomerat aus formalen und farbigen Rhythmen und visuellen Vibrationen“, wie der Künstler selbst es formuliert. Dabei kombiniert er auch gerne verschiedene Drucktechniken, was den grafischen Blättern eine gewisse Komplexität verleiht. So etwa bei der Arbeit „Schwarz und Weiß“, die Forster mit einem guten Schuss Aubergine versehen hat: Hier verschmelzen Serigrafie, Holzschnitt und Acrylfarben zu einem Ganzen, dem die Holzstruktur des Hintergrunds eine überraschend organische Anmutung verleiht.

 

Bei der Serie „Lineare Transformationen“ zeichnete Jürgen Forster mit Tusche, Fineliner und Toner auf der Grafik, und bei „Intervalle“, einer Serigrafie auf Holzschnitt, dürfen die Linien auch mal zittern. Die Techniken Serigrafie, Hochdruck und Holzschnitt kombinierte der Künstler bei der Druckgrafik „Weiße Schatten“, die den Blick des Betrachters auf magische Weise in die Tiefe zieht.

 

Bei Jürgen Forster scheint alles eine Sache der Ordnung zu sein. Diese Ordnung stört der Künstler gleichzeitig aber auch wieder – durch einen „wirren“ Hintergrund oder durch überraschende Farbigkeit etwa. „Jürgen Forsters anregende Werkstücke bestücken eine sehr anspruchsvolle Ausstellung“, gibt sich Galerist Christoph Noebel sehr angetan von seiner neuesten Schau. Die Arbeiten böten Raum für Vieldeutigkeit. Diverse Lesarten und Betrachtungsweise gemäß dem Thema „Zwischenräume“.

Petra Ochs


General-Anzeiger, Bonn – 31. Mai 2016

 

Spannende Zwischenräume in makelloser Optik

Galerie Artspace K2 zeigt Jürgen Forsters aktuelle druckgrafische und zeichnerische Arbeiten

 

Neue druckgrafische und zeichnerische Arbeiten von Jürgen Forster aus Bonn sind in die Galerie Artspace K2 eingezogen. Frisch wirken sie. Klar und strukturiert. Doch fordern die weitgehend geometrisch und linear charakterisierten Formate die Augen und den Kopf mehr heraus, als es zunächst den Anschein hat. Denn der Betrachter muss schauend und sinnend nachvollziehen, womit der Künstler bereits befasst war, nämlich nichts Geringerem als Ordnung zu schaffen im Chaos.

 

Dieser schöpferischen Ur-Aufgabe ist der 1938 in der Mark Brandenburg Geborene, der eine Schriftsetzerlehre machte und von 1963 bis 2001 in Aachen, Köln und Bonn als Journalist tätig war, zweifellos gewachsen. Eine makellose Optik, elegant, aber ohne Glätte, bringen Forsters Kunststücke mit. Zunächst glaubt man die „Zwischenräume“, wie die Ausstellung überschrieben ist, klar zu erkennen. Wenn in herrlich kühlem Kolorit von Blau-Grün-Weiß zwölf Punkt vor einem unruhig rauschenden Untergrund stehen, sind die Bereiche außerhalb der Rundformen schnell als Zwischenräume erkannt. Zu schnell, denn es könnten auch die Räume zwischen den Linien sein, welche die Rundformen erst definieren. Es könnten aber auch ebenso die Räume sein, die zwischen den Rundformen und ihren jeweiligen, im Gewusel des Hintergrunds abtauchenden „Schatten“ zu imaginieren sind.

Im gleichen Farbspektrum wie „Blaue Doppellinien“ spielt die Arbeit „Phasenwechsel“. Forster legte sie technisch noch komplexer an, indem er zum Siebdruck auf Holzschnitt auch den Hochdruck hinzunahm. Nun konkurrieren als Rundungen helle Schemen, dunkle Schatten und vielfältig auszumachende Zwischenformen um Aufmerksamkeit. Serielle Rhythmen halten dabei die grafischen Blätter in der Waage zwischen Ruhe und Bewegung. Durch „Intervalle“ wogen feine durchgehende sowie weich unterbrochene Linien. Reihen roter und schwarzer Rechtecke disziplinieren das vielschichtige Umfeld eines anderen Drucks, während „Blaupunkte“ im gleichnamigen Format versuchen, die bildfüllende Linienschwemme im Zaum zu halten.

 

Im zweiten Raum hängen Forsters „Lineare Transformationen“. Galerist Christoph Noebel begeistert sich besonders für diese schwarz-weißen Arbeiten mit raffinierten Verschachtelungen und Überlagerungen geometrischer Kleinformen und Linien. Einige kommen milchig verschwommen daher, andere dafür umso präziser. „Das finde ich spannend, die Balance zwischen Diffusem und Strenge, überhaupt die Thematisierung der Unschärfe“, spricht Noebel aus, was nicht nur er angesichts Forsters Druckgrafik für bemerkenswert hält.

Hildegard Ginzler

 


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